Die Wissenschaft hinter NutriKompass
Jede Zahl in dieser App ist hergeleitet â hier stehen alle Formeln, Annahmen und die Studien dahinter. Nummern in eckigen Klammern verweisen auf die Literaturliste.
1 · Grundumsatz (BMR)
Der Grundumsatz ist die Energie, die dein Körper in völliger Ruhe verbraucht. NutriKompass nutzt zwei validierte Gleichungen und wÀhlt automatisch die genauere:
Mifflin-St Jeor (Standard) [1]
Die systematische Ăbersichtsarbeit der American Dietetic Association identifizierte Mifflin-St Jeor als die zuverlĂ€ssigste SchĂ€tzformel fĂŒr Erwachsene â mit und ohne Ăbergewicht (±10 % beim GroĂteil der Personen) [2]. Bei Auswahl âdivers" wird der Mittelwert beider Konstanten verwendet (â78); das ist eine dokumentierte NĂ€herung, da die Originalstudien nur binĂ€r erhoben wurden.
Katch-McArdle (bei bekanntem Körperfettanteil) [3]
Da fast der gesamte Ruheverbrauch aus der fettfreien Masse stammt [4], ist diese Formel geschlechtsneutral und besonders prĂ€zise bei ĂŒberdurchschnittlich muskulösen oder sehr schlanken Personen. Sobald du einen Körperfettanteil hinterlegst, rechnet NutriKompass automatisch damit.
2 · Gesamtumsatz (TDEE): faktorielle 24-h-Methode
Statt eines groben Pauschalfaktors (âAktivitĂ€tslevel 1,55") zerlegt NutriKompass deinen Tag in seine Bestandteile â Schlaf, Arbeit, Gehen, Radfahren, Sport und Restzeit â und bewertet jede Stunde mit ihrem metabolischen Ăquivalent (MET). Das ist die faktorielle Methode der FAO/WHO/UNU [5], die MET-Werte stammen aus dem Compendium of Physical Activities [6, 7]:
Warum âBMR/24" statt der ĂŒblichen Faustformel â1 MET = 1 kcal/kg/h"? Die Standardkonvention (3,5 ml Oâ/kg/min) ĂŒberschĂ€tzt den Ruheverbrauch vieler Menschen systematisch â im Mittel um ~20 % [8]. Indem jede AktivitĂ€t als Vielfaches deines individuellen Grundumsatzes gerechnet wird, entfĂ€llt dieser Fehler (entspricht der âkorrigierten MET"-Methode von Kozey et al.). Die nahrungsinduzierte Thermogenese (TEF, ~10 %) ist in den so gerechneten Tageswerten bereits enthalten [5, 9].
MET-Werte der GrundaktivitÀten
| AktivitÀt | MET | Compendium-Anker [6] |
|---|---|---|
| Schlafen | 0,95 | 07030 |
| BĂŒro / Homeoffice (sitzend) | 1,5 | 11580 â sitting tasks, light effort |
| Gemischt sitzend & stehend | 2,0 | Mittel aus 11580 / 11600 |
| Ăberwiegend stehend / leicht körperlich | 3,0 | 11600 â standing tasks, light effort |
| Schwere körperliche Arbeit | 4,5 | 11630 â standing, moderate/heavy |
| Gehen gemĂŒtlich / normal / zĂŒgig | 3,0 / 3,5 / 4,3 | 17170 / 17190 / 17200 |
| Radfahren Alltag locker / Pendel-Tempo | 4,0 / 6,8 | 01010 / 01011 |
| Restzeit (Alltags-Mix) | 1,6 | Annahme: Mix aus Sitzen 1,3, Stehen, leichter Hausarbeit 2,0â3,3 |
MET-Werte der Sportarten (locker / moderat / intensiv)
Wo das Compendium keine eigene Stufe ausweist, sind Zwischenwerte linear interpoliert (kursiv der jeweilige Anker-Code). Die IntensitĂ€t schĂ€tzt du ĂŒber den âSprech-Test" ein: locker = Unterhaltung möglich, moderat = Sprechen in SĂ€tzen, intensiv = nur kurze Wortwechsel.
| Sportart | locker | moderat | intensiv |
|---|---|---|---|
| Krafttraining (Gym) | 3,5 | 5,0 | 6,0 |
| Laufen / Joggen | 8,3 | 10,5 | 11,8 |
| Radfahren (Training/Rennrad) | 6,8 | 8,0 | 10,0 |
| Indoor-Cycling / Ergometer | 4,8 | 6,8 | 8,8 |
| Schwimmen | 6,0 | 8,3 | 9,8 |
| HIIT / Zirkeltraining | 6,0 | 8,0 | 11,0 |
| Fitnesskurs / Aerobic | 5,0 | 7,3 | 8,5 |
| Yoga | 2,5 | 4,0 | 5,0 |
| Pilates | 3,0 | 3,8 | 4,5 |
| FuĂball | 7,0 | 8,5 | 10,0 |
| Basketball | 6,5 | 8,0 | 9,3 |
| Volleyball | 3,0 | 6,0 | 8,0 |
| Tennis | 6,0 | 7,3 | 8,0 |
| Badminton | 4,5 | 5,5 | 7,0 |
| Kampfsport (Boxen, Judo, MMA) | 5,5 | 7,8 | 10,3 |
| Rudern (Ergometer) | 4,8 | 7,0 | 8,5 |
| Klettern / Bouldern | 5,0 | 6,5 | 8,0 |
| Wandern | 4,5 | 6,0 | 7,8 |
| Tanzen | 3,5 | 5,5 | 7,3 |
| Inline-Skaten | 7,0 | 9,8 | 12,3 |
| Ski / Snowboard | 4,3 | 5,3 | 8,0 |
Der Netto-Effekt einer Einheit wird dir als (MET â 1,6) · BMR/24 · Stunden angezeigt â also der Mehrverbrauch gegenĂŒber der Alltagszeit, die das Training ersetzt. So wird nichts doppelt gezĂ€hlt.
3 · Zielsetzung: Defizit, Ăberschuss, Rekomposition
| Ziel | Kalorien | BegrĂŒndung |
|---|---|---|
| Fett abbauen | â10 % bis â25 % (Standard â20 %) |
Abnahmeraten um 0,5â0,7 % des Körpergewichts pro Woche erhalten Muskelmasse und LeistungsfĂ€higkeit deutlich besser als aggressive DiĂ€ten [10]; fĂŒr Sportler werden Defizite um ~500 kcal bzw. moderate Prozentwerte empfohlen [11]. |
| Muskeln aufbauen | +5 % bis +15 % (Standard +10 %) |
Empfehlung fĂŒr die Aufbauphase: ~0,25â0,5 % Körpergewicht Zunahme pro Woche ĂŒber einen moderaten Ăberschuss â Einsteiger eher am oberen, Fortgeschrittene am unteren Ende, um Fettaufbau zu begrenzen [12]. |
| Rekomposition | ±0 % bis â5 % | Gleichzeitiger Muskelaufbau und Fettabbau ist v. a. fĂŒr Einsteiger, Wiedereinsteiger und Personen mit höherem KFA gut belegt â SchlĂŒssel sind Krafttraining, sehr hohe Proteinzufuhr und Kalorien nahe der Erhaltung [13]. |
Sicherheitsgrenzen: Das Tagesziel wird nie unter 1.200 kcal (Frauen) bzw. 1.500 kcal (MĂ€nner) gesetzt â die ĂŒbliche klinische Untergrenze fĂŒr eine bedarfsdeckende NĂ€hrstoffversorgung ohne Ă€rztliche Begleitung. Die erwartete GewichtsĂ€nderung wird ĂŒber die NĂ€herung 1 kg Fettgewebe â 7.700 kcal berechnet [14]; real flacht die Kurve mit der Zeit ab (Anpassung des Verbrauchs), was die adaptive Kalibrierung (§7) automatisch auffĂ€ngt [15].
4 · MakronÀhrstoffe
Protein
| Ziel | ohne KFA-Angabe | mit KFA-Angabe | Quelle |
|---|---|---|---|
| Fett abbauen | 2,2 g/kg Körpergewicht | 2,8 g/kg Magermasse | Im Defizit schĂŒtzen 2,3â3,1 g/kg FFM die Muskulatur [16]; allgemein 1,8â2,7 g/kg [11] |
| Muskeln aufbauen | 1,8 g/kg Körpergewicht | 2,0 g/kg Magermasse | Meta-Analyse: ZuwĂ€chse plateauieren im Mittel bei ~1,6 g/kg; Obergrenze des Konfidenzintervalls 2,2 g/kg [17]; ISSN: 1,4â2,0 g/kg [18] |
| Rekomposition | 2,4 g/kg Körpergewicht | 3,0 g/kg Magermasse | Studien mit â„ 2,6â3,5 g/kg FFM zeigten die besten Rekompositions-Effekte [13] |
Mit bekanntem Körperfettanteil wird pro kg Magermasse gerechnet â das verhindert ĂŒberhöhte Werte bei höherem KFA und zu niedrige bei sehr schlanken Personen.
Fett
~28 % der Zielkalorien, begrenzt auf 0,6â1,1 g/kg. Untergrenzen um 0,5â0,6 g/kg gelten als Minimum fĂŒr Hormonhaushalt und fettlösliche Vitamine; Empfehlungen fĂŒr Kraftsportler liegen bei 15â30 % der Energie bzw. 0,5â1,5 g/kg [11, 12, 19]. Reicht die Energie in einem harten Defizit nicht fĂŒr das KH-Minimum, wird Fett automatisch Richtung Untergrenze reduziert.
Kohlenhydrate
Der gesamte Rest der Energie â dadurch bekommen Trainingstage automatisch mehr Kohlenhydrate (âCarb Cycling" ohne Extra-Regeln). Zur Einordnung deiner g/kg-Werte [20]:
| Trainingsumfang | KH-Empfehlung |
|---|---|
| leicht (Skill-/Technik-Training) | 3â5 g/kg/Tag |
| moderat (~1 h/Tag) | 5â7 g/kg/Tag |
| hoch (1â3 h/Tag Ausdauer) | 6â10 g/kg/Tag |
Ballaststoffe & FlĂŒssigkeit
Ballaststoffe: mindestens 30 g/Tag (D-A-CH-Referenzwert [21]) bzw. 14 g je 1.000 kcal [22] â es gilt der höhere Wert. Trinkmenge: ~35 ml/kg Körpergewicht [21, 23] plus ~0,5 l je Stunde Sport (Faustwert, schweiĂ- und temperaturabhĂ€ngig).
5 · Wochenverteilung
NutriKompass berechnet jeden Wochentag einzeln: Dein Trainingsplan bestimmt den Tagesverbrauch, das prozentuale Ziel wird auf jeden Tag angewandt. Ergebnis:
- Protein bleibt tĂ€glich konstant â die Muskelproteinsynthese profitiert von gleichmĂ€Ăiger, ĂŒber den Tag verteilter Zufuhr, auch an Ruhetagen [18, 24].
- Kalorien & Kohlenhydrate schwanken mit dem Training â mehr Energie an harten Tagen unterstĂŒtzt Leistung und Regeneration [20, 24].
- Timing ist zweitrangig: Entscheidend ist die Tages- und Wochenbilanz; NĂ€hrstoff-Timing bringt nur einen kleinen Zusatznutzen [24].
6 · TÀgliche Check-ins
PlĂ€ne sind Absichten â gezĂ€hlt wird, was passiert ist. Deshalb fragt dich die App fĂŒr jede geplante Einheit: Gemacht? Ausgefallen? Anders (kĂŒrzer/lĂ€nger, andere IntensitĂ€t)?
- FĂ€llt eine Einheit aus, sinkt der Tagesverbrauch um ihren Netto-Beitrag â dein Kalorienziel des Tages wird sofort neu berechnet.
- Extra-Einheiten kannst du nachtragen; sie erhöhen das Tagesbudget entsprechend.
- Abends beantwortest du optional den ErnĂ€hrungs-Check (ânach Plan / mehr / weniger") oder trĂ€gst die tatsĂ€chlichen kcal ein â das Futter fĂŒr die Kalibrierung (§7).
- Nach Mitternacht wird jeder Tag âfestgeschrieben" und wandert ins Langzeit-Protokoll, aus dem die Verlaufsgrafiken entstehen.
7 · Gewichtstrend & adaptive Kalibrierung
Jede Formel bleibt eine SchĂ€tzung â der echte Verbrauch streut zwischen Personen um mehrere hundert kcal. Die Waage liefert die Wahrheit, aber verrauscht (Wasser, Glykogen, Darminhalt). NutriKompass löst beides so:
GeglÀtteter Trend (EWMA)
Ein exponentiell gewichteter gleitender Durchschnitt reagiert auf echte VerĂ€nderung, ignoriert aber Tagesschwankungen von ±1â2 kg.
Kalibrierung alle ~2 Wochen
- Erwartete Bilanz: Mittel aus (gegessene bzw. laut Check-in angenommene kcal â geschĂ€tzter Verbrauch) der abgeschlossenen Tage.
- Beobachtete Bilanz: Ănderung des Trendgewichts Ă 7.700 kcal/kg Ă· Tage [14].
- Die Differenz verschiebt deine Verbrauchs-SchĂ€tzung â gedeckelt auf ±250 kcal je Schritt und ±600 kcal insgesamt, damit AusreiĂer nicht ĂŒberkorrigieren.
Voraussetzungen je Fenster: ℠14 Tage, ℠10 Wiegungen, ℠8 auswertbare ErnÀhrungs-Checks. So fÀngt die App auch die metabolische Anpassung ab, mit der der Verbrauch in lÀngeren DiÀten real absinkt [15, 25].
8 · Grenzen des Modells
- SchĂ€tzformeln haben Streuung: BMR ±10 % [2], MET-Werte sind Gruppen-Mittelwerte [6]. Genau deshalb existiert die adaptive Kalibrierung â nach einigen Wochen zĂ€hlt dein gemessener Verlauf mehr als jede Formel.
- Nachbrenneffekte (EPOC) und unbewusste Alltagsbewegung (NEAT-Schwankungen) werden nicht separat modelliert; sie landen implizit in der Kalibrierung.
- Die 7.700-kcal-Regel ist eine statische NĂ€herung; dynamische Modelle sagen flachere VerlĂ€ufe voraus [14] â auch das gleicht die Kalibrierung laufend aus.
- NutriKompass ersetzt keine medizinische oder ernĂ€hrungstherapeutische Beratung â insbesondere nicht bei Essstörungen, Schwangerschaft, Diabetes oder anderen Erkrankungen und nicht fĂŒr Personen unter 18.
Literatur
- Mifflin MD, St Jeor ST, et al. A new predictive equation for resting energy expenditure in healthy individuals. Am J Clin Nutr. 1990;51(2):241â247.
- Frankenfield D, Roth-Yousey L, Compher C. Comparison of predictive equations for resting metabolic rate in healthy nonobese and obese adults: a systematic review. J Am Diet Assoc. 2005;105(5):775â789.
- McArdle WD, Katch FI, Katch VL. Exercise Physiology: Nutrition, Energy, and Human Performance. 8. Aufl. Wolters Kluwer; 2015 (Katch-McArdle-Gleichung).
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